Über Verletzlichkeit, Krümmung, Resilienz

Ich arbeite mit brennbaren Materialien. Meine Werke aus Porzellan sind weiß mit bunt gefärbten Schlickerschichten oder mit Glanzgold für Keramik bemalt. Überwiegend brenne ich in einem Brand, meine Signatur und das Entstehungsjahr sind an die Unterseite geritzt.

Das Aussehen meiner Werke ist davon abhängig wie tief ich Porzellan mit gemischten Medien schichte und verdichte. Ich überreize die Belastungsgrenze der Materialien extrem, bis Ausflüsse, Risse und Rauheiten aus dem Innen heraus an die Oberfläche quellen oder Hohlräume formen. Vergleichbar mit erstarrten Ausflüssen von Lava oder vertrockneten Erdkrusten spiegeln mir meine Werke die Verletzlichkeit der Natur, wie sie von uns Menschen ausgebeutet und gekrümmt wird, sowie mir gleichzeitig ihre resilienten Kräfte ins Gedächtnis kommen.

Meine Werke entstehen aus geometrischen Formen. Eine Serie nenne ich ‚ellipsoide / eier des lebens‘. Während ein Ei in Kulturen, Mythen und Religionen als ein Symbol für neues Leben, Wiedergeburt und Fruchtbarkeit betrachtet wird, mache ich im ‚Gelege‘ der aufbrechenden Ellipsoide die Verletzlichkeit von uns Menschen deutlich. Hier liegen Geburt und Tod so nahe beisammen, wie mein Scheitern, meine Kreativität und Widerstandsfähigkeit. Vielleicht führen die geometrischen Reihen ein unbewusstes Eigenleben mit meinen haptischen Erinnerungen oder präsentieren sich wie die ‚deformierten kreise auf elliptoiden‘ völlig sinnentleert. Erst auf den zweiten Blick entdecke ich Handtaschen, mit denen ich unterwegs sein kann.

Betrachtende können die unvollkommen wirkenden Oberflächen meiner Werke visuell und durch Berühren der offenen Strukturen erleben. Ich lade Sie ein, eine freie Deutung zu wählen. Vielleicht sind meine Werke symbolische Ankerplätze?

Keramikkunst begleitet mich seit den späten 1970er Jahren. Nach der Ausbildung zur Keramikerin habe ich 1992 mein Studio keramik_art in Wien gegründet.

Mehrfach international ausgezeichnet, Finalistin bei zahlreichen internationalen Keramikbiennalen, Teilnahme an internationalen Ausstellungen, Keramiksymposien und Projekten. Gründerin und Präsidentin des Vereins ICCA-International Contemporary Ceramic Art 2004 bis 2012, 2014 bis 2022 Vizepräsidentin Künstlerhaus, Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs in Wien.

Mitglied International Academy of Ceramics (AIC-IAC) in Genf und Ehrenmitglied Künstlerhaus, Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler in Wien.

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Ceramics Now | Artikel 'Signs of the living, unpaired whispers' 

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